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Bordwaffen II - Sonderbewaffnungen |
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Sondereinbauten von Bordkanonen wie 3,7 cm, BK 5
und BK 7,5 fanden nahezu ausschließlich zum Beschuss von Panzern
bei Ju 87, Ju 88, Me 410 und Hs 129 Verwendung. Ebenso wurden
zahlreiche Schrägbewaffnungen zur Panzer -und Flugzeugbekämpfung
erprobt, jedoch einige aufgrund von automatischen
Auslösesystemen die nicht ausgereift waren, wieder eingestellt
oder verworfen. Als sich schließlich die Bekämpfung immer
stärker gepanzerter und Beschuss unempfindlicher gebauter
Flugzeuge und Panzer durch herkömmliche Waffen als nutzlos
erwies, fand die Rakete Eingang in die Flugzeugbewaffnung.
Siehe dazu: Flugkörper / Luft-Luft und Luft-Boden |
Die 1930 aus der Flak 18 entwickelte Waffe, war
ein Rückstoßlader mit zentral verriegeltem Verschluss, der etwas
"störungsanfällig" war. Zuerst wurden einige Hs 129 B-2
Flugzeuge als Schlachtflieger außer der Bewaffnung von zwei MG
151/20 mit je einer BK 3,7 und 12 Schuss Munition ausgerüstet
und mit Erfolg erprobt. Der Einsatz dieser Maschine beschränkte
sich wegen der Beschuss Empfindlichkeit der französischen
Gnôme-Rhône Motoren auf die IV. Staffel des SG 9. Wesentlich
bekannter sind die Einsätze, die eine so genannte
"Panzerstaffel" unter der Führung von Oberst Rudel an der
Ostfront mit Maschinen vom Typ JU 87 G flog, an die unter jeder
Tragfläche neben den Federbeinen eine BK 3,7 montiert war.
Oberst Rudel hat mit diesen Waffen persönlich über 500 Panzer
und ein gepanzertes Schlachtflugzeug abgeschossen. Der Einsatz
derartig ausgerüsteter Maschinen ist auf persönliche Initiative
von Oberst Rudel zurückzuführen, der die erste im Mai 1943
bereitstehende Versuchsmaschine mitnahm und von Mitte Juli bis
November 1943 bereits über 100 Panzer abschoss.
Daten:
Kaliber 37 mm, Kadenz 140 Schuss/min, Masse 275 kg und Länge
3750 mm
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Junkers Ju 87 G-2 auf dem Schießstand |
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Flugaufnahme der Junkers Ju 87 G-2 |
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Messerschmitt Bf 110 G-2/R5 |
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Junkers Ju 88 P-3 mit zwei BK 3,7 in der Bodenwanne |
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Diese
Bordkanone wurde aus der KWK 39, speziell zur Montage in die Me
410 entwickelt. Der Lauf, der Verschluss, Rohrrücklauf und die
Zuführung der ursprünglichen Panzerwaffe wurden zu diesem Zweck
etwas geändert. Zusätzlich wurde eine elektrische Abzugs- und
Abfeuerungsanlage eingebaut. Mit einem 22 schüssigen Magazin und
dem um den hinteren Waffenteil herum gebauten automatischen
Ladegerät konnte Einzel- und auch Dauerfeuer geschossen werden.
Für die Me 410 war die Mitnahme von 3 Magazinen vorgesehen, die
im Fluge durch den Bordschützen gewechselt wurden. Das
Nachtjägermuster Ju 388 J-4 sollte in einer Wanne unter dem
Rumpf sogar eine Zwillingsmontage der BK 5 tragen. Ferner wurden
durch Frontwerkstätten verschiedene He 177 A-3/R1 mit der BK 5
ausgerüstet, um auf ihren Transportflügen von Zaporozhe nach
Stalingrad und zurück den Gegner am Boden zu bekämpfen. Im
Einsatz sind vor allem bei der Verwendung der so genannten
BK/M.Gr. bemerkenswerte Erfolge erzielt worden; so hat z. B.
eine Gruppe von 53 Me 410 A-1/U4, die je Waffe mit 36 Schuss
ausgerüstet waren, mit der BK 5 bei 6 Feindflügen im Zeitraum
vom 22. Februar bis 11. April 1944 insgesamt 129 Stück der B-17
"Fortress" Bomber und 4 Stück der B-24 "Liberator" bei nur 9
Eigenverlusten abgeschossen. Bei Boden Schussversuchen an einer
He 111 mit der Spr.G. "M" (0,350 kg Sprengstoff) wurde der Rumpf
mit einem Treffer in zwei Teile zerlegt. Auch bei viermotorigen
Maschinen genügte ein Treffer, wie die Abschüsse von neun B-17
"Flying Fortress" Bombern aus etwa 800 m Entfernung am 9. und 11.
April 1944 bewiesen.
Daten: Kaliber 50 mm, Kadenz 45 Schuss/min, Masse 540 kg und Länge 4342 mm
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Ju 88 P-4 des 7./KG 1 |
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Me 410 A-1/U4 des 4./ZG 26, 1944 |
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Eine Me 410 A-1/U4 bei einem der Angriffe vom 22. Februar bis 11. April 1944
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Me 410 A-1/U4 des ZG 26 mit Abschussringen,
wie es bei der Flak üblich war, auf dem Rohr der BK 5 |
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Diese Bordkanone, eine verbesserte PaK 40 L wurde speziell für
die Hs 129 erstellt. Es wurde der Lauf und die
Rücklaufvorrichtung geändert, eine elektrische Abfeuerung wurde
eingebaut und die Zuführung auf ein elektropneumatisches System
umgestellt. Die im Magazin untergebrachten 12 Schuss wurden
durch den mittels Parallelogrammführung bewegten Ladetisch dem
Ladegerät zugeführt und konnten im Einzel- oder Dauerfeuer
verschossen werden. Wegen der hohen Belastung des Flugzeuges,
die Mündungsenergie der Waffe betrug 185 000 mkg, wurde im
Einsatz Einzelfeuer geschossen. Der Lauf mit seinem
Mündungsfeuerdämpfer ragte etwa 980 mm (da der Rücklauf 900 mm
betrug) aus dem Bug des "Fliegenden Büchsenöffners", wie man die
Hs 129 B-2/R4 mit dieser Bewaffnung nannte, heraus. Die Waffe
wurde ferner in einige Ju 88 P-1 und Me 410 A-2 eingebaut, der
Plan, die He 177 A-3/R5 mit der BK 7,5 auszurüsten, wurde nach
der Probemontage von 5 Stück aus Gründen zu starker Vibration
wieder aufgegeben.
Daten: Kaliber 75 mm, Kadenz 30 Schuss/min, Masse 705 kg und Länge 6105 mm
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Ju 88 P-1 mit PaK 40 L - Vorläufer der BK 7,5 |
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Ju 88 P-1 mit Bk 7,5 und der Stutzenbremse |
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Hs 129 B-2/R4 |
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Aus den Ergebnissen der Düka 75 und der
Erfahrungen bei der für den Einsatz auf U-Boot Jägern geplanten
DKM (Düsenkanone-Marine) hatte eine Gruppe unter der Leitung von
Dipl.-Ing. Kleinschmidt bei der Rh. B. in Sömmerda eine
zehnschüssige, rückstoßlose Kanone von 88 mm Kaliber entwickelt,
von der noch zwei Muster gebaut wurden. Funktion: Ein
Elektromotor trieb über ein Doppelvorgelege ein Zyklongetriebe,
das die Ladeeinrichtung betätigte, die Ansetzstange zum
Einführen der Patrone auslöste und über eine Exzenterscheibe den
Fallblockverschluß steuerte. Die Ansetzstange brachte z. B. aus
dem 10schüssigen Trommelmagazin eine Patrone in die Kammer ein,
der Verschluss schloss sich, und die Kupplung zum Motor wurde
bei der Vorwärtsbewegung des Schlagbolzens ausgeschaltet. Nun
zeigte eine beleuchtete Scheibe die Feuerbereitschaft an, die
elektrische Abfeuerung wurde betätigt und die Kupplung zum Motor
wieder eingeschaltet. Die Ansetzstange beförderte die leere
Hülse wieder zurück in die Trommelkammer und die Trommel drehte
sich um 36°. Die geringe Schussfolge von max. 10 Schuss/Min.
wird dadurch verständlich.
Daten:
Kaliber 88 mm, Kadenz 10 Schuss/min, Masse ~1000 kg und Länge 4705 mm
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Endmontage des Musterflugzeugs Ju 88, für die Düka 88 |
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Musterflugzeug Ju 88 mit montierter Düka 88 |
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Bei der Suche nach einer großkalibrigen
Flugzeug-Bordwaffe zur Bekämpfung von gepanzerten Seezielen,
erinnerte man sich daran, dass bereits wahrend des ersten
Weltkrieges Versuche angestellt wurden rückstoßfreie
Geschütze zu schaffen. Die Fa. Rheinmetall-Borsig begann
bereits 1939 das sogenannte 'Gerät 104' zu entwickeln, bei
dem dieses Prinzip angewandt wurde und das den Decknamen
'Münchhausen' bekam. Man ging davon aus, dass der beim
Abschuß auftretende Rückstoß durch ein Gegengewicht
abgefangen und somit eine derartige Waffe auch unter dem
Rumpf eines Flugzeuges befestigt werden könne. Nachdem die
Berechnungen abgeschlossen und Schiessversuche mit Modellen
angestellt worden waren, konstruierte man den ersten
Prototyp des Geräts 104. Um allen Komplikationen aus dem
Wege zu gehen, wurde dieses Exemplar auf einem
Schiessgestell montiert, das aus eisenbahnwagenähnlichen
Fahrgestell und Teilen einer Do 17 bestand. Der erste
Schiessversuch mit diesem Rollwagen fand bereits am 9.
September 1940 in Unterlüß statt. Der Bericht vom 19.10.1940
über diesen Versuch zeigt, dass das Ergebnis durchaus
zufriedenstellend ausgefallen ist. Die Beschädigungen der
Flugzeugteile sind in erster Linie durch von der Erde
reflektierter Druckwellen enstanden, die sich in der Luft
sicher anders entwickelt hätten. Allerdings wurde hier nur
eine verminderte Ladung verwendet. Eine Serienfertigung und
Einführung des Geräts 104 ist allerdings nicht erfolgt. |
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Fahrgestell und Teilen einer Do 17 .. |
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.. mit Gerät 104 .. |
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'Schräge Musik'
Durch das Unterfliegen der Bomber konnte man
mit den nach oben gerichteten MG's unbehelligt feuern, da
man sich im "toten Winkel" der Abwehrbewaffnung des Gegners
befand. Der Einbau erfolgte nur bei den Nachtjagd -
Einheiten. |
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'Förstersonde - SG 113'
Das RLM hatte die Entwicklung einer Waffe
gefordert, mit der beim Beschuss aus der Luft ein
gepanzertes Fahrzeug mit höchster Wahrscheinlichkeit
zerstört werden konnte. Die LFA, die sich bereits seit
längerer Zeit mit der Erforschung elektromagnetischer Felder
befasste, schlug darauf einen vertikalen Beschuss mittels
elektrischer Auslösung vor. Die Firma Rheinmetall Borsig begann 1943 mit
Versuchen, eine HL.Gr. unter Verschuss eines Gegengewichtes
aus der Mitte eines 1600 mm langen Laufes zu verschießen.
Als Läufe benutzte die WKW-Gruppe bei Rh.B. Beutematerial,
das durch Aufbohren auf ein Kaliber von 77 mm gebracht
wurde. Die Auslösung des Schusses erfolgte automatisch durch
verschiedene Anlagen. Man erprobte zuerst das von Dr.
Hackemann und Dr. Schwetzke bei der LFA entwickelte Gerät.
Diese Anlage sprach auf das den Panzer umgebende
elektrostatische Feld an - die Auslöseempfindlichkeit wurde
jedoch durch Gegenstände (z. B. Häuser, Bäume usw.), die
höher als das zu bekämpfende Fahrzeug waren, so stark
beeinflusst, dass man im Höchstfalle 50% Treffer erzielte. |
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Versuchsanordnung der 77 mm Rohre bei der Henschel Hs 129 B-1 |
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Focke-Wulf Fw 190 F-8, WkNr. 586586, mit SG 113 A |
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SG 116 'Zellendusche'
Dieses Gerät wurde entwickelt, um Angriffe
auf feindliche Bomberverbände durch Unterfliegen zu
ermöglichen. Die Waffe selbst entstand durch Änderung der MK
103. Die Schussauslösung wurde von einem »Fotozellenfühler«
betätigt, eine nach Art des Belichtungsmessers arbeitende
Anlage, die beim Zielanflug erst unmittelbar vor dem
Unterfliegen des Gegners entsichert wurde. Diese Geräte
wurden von der Firma Opta-Radio hergestellt. Die Waffe
selbst wurde bei Rheinmetall-Borsig gebaut. Das SG 116 wurde
in drei verschiedenen Anordnungen eingebaut: vier Stück in
rhombischer Form im Rumpf, sechs Stück in doppelter
Dreiecksform oder 3 Stück in Linie in der Rumpfseitenwand
mit einer Spreitzung von 2 Grad. Von dieser letzten
Ausführung (siehe Bild) wurden 40 Satz in die Fw 190 F-8 des
JG 10 eingebaut. Eine Erprobung erfolgte dort, wobei als
Zielflugzeuge eine Fw 58 und eine He 177 dienten. |
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SG 'Harfe'
Unter dieser Bezeichnung hat die zur Firma
Schneider KG gehörende Entwicklungsanstalt Hasag versucht,
das Problem einer Salvenfeuerwaffe zu lösen. Man hatte 15
Läufe in einer Anordnung zusammen gefasst, die einer Harfe
ähnlich war. Aus den auf 25 mm Kaliber aufgebohrten, glatten
Läufen sollte die Munition des MG 151/20'mittels TS
verschossen werden. Aus der Gruppe E4/5 der E-Stelle
Travemünde hatte der Stabsingenieur Poppendick bereits im
Juni 1942 den Vorschlag der Senkrechtmontage von 8 MG 151
eingereicht. Dieser Plan wurde aber im Laufe der Entwicklung
zur Verwendung einer Gr. mit feststehendem Leitwerk
geändert. Das Geschoß lagerte etwas nach der Mitte des
Laufes, d. h. die Geschoßspitze war 590 mm von der Mündung
entfernt. Der Verschuss sollte durch eine "lange Ladung"
unter Verwendung einer Verdämmungsscheibe Rückstosslos
erfolgen. Es war geplant, eine oder zwei Batterien der
"Harfe" am bzw. im Rumpf anzubringen. Die Schussauslösung
sollte durch die bereits beschriebenen "Fotozellenfühler"
beim Unterfliegen des Gegners auf Gegenkurs erfolgen. |
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Bereits Ende 1939 machte Leutnant Stahl,
Technischer Offizier beim KG 51, den Vorschlag, angreifende
Jäger durch im Heck der Bomber und Fernaufklärer eingebaute
Flammenwerfer abzuwehren. Der angreifende Jäger sollte in die
ausgestoßene Ruß-Ölwolke hineinstoßen, so dass seine
Kabinenscheiben schlagartig blind wurden. Im Februar 1940 fanden
entsprechende Versuche mit He 111 und Ju 88 in der
Erprobungsstelle Tarnewitz statt. Das Gerät wurde dann auch
probeweise bei Beginn des Russlandfeldzugs beim KG 51
eingesetzt, scheint sich aber bei der Truppe nicht durchgesetzt
zu haben. Als Angriffswaffe wurden die Flammenwerfer »Gero 11«
A, Bund C bei der Fw 190 für Tiefangriffe verwendet.
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Flugerprobung des Flammenwerfers mit einer He 111 am 9.2.1940 |
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